Bernauer Str. / Ecke Eberswalder Str. / Beginn Mauerpark

Foto: Landesarchiv Berlin, R Rep. 290-80979, Gert Schütz
Foto: Landesarchiv Berlin, R Rep. 290-80979, Gert Schütz
Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290-78736, Bert Sass
Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290-78736, Bert Sass

Die Mauersprengung an der Bernauer Straße (Bernauer Straße/Wolliner Straße)

»Ich stärke dem Unrecht noch den Rücken und schreite gegen Gleichgesinnte ein«, so beschreibt der damals 23-jährige West-Berliner Bereitschaftspolizist Hans Joachim Lazai den Gewissenskonflikt. Von seinem Einsatzgebiet an der Bernauer Straße beobachtet er die Veränderungen aus nächster Nähe. Hans Joachim Lazai muss zusehen, wie seine Stadt getrennt wird. Die SED-Führung unterdrückt jeden Protest gegen den Mauerbau mit unerbittlicher Härte. In West-Berlin müssen Polizisten wie Hans-Joachim Lazai die aufgebrachte Menge auf Anweisung der Westalliierten zur Sicherheit von der Grenze fernhalten. Gemeinsam mit zwei Kollegen will Lazai seinen Unmut demonstrieren und sucht Kontakt zu der studentischen Fluchthilfegruppe an der FU Berlin um Detlef Girrmann.

Dort ist die Idee entstanden, die Mauer zu sprengen und damit ein Zeichen gegen das Unrecht zu setzen. Die Bernauer Straße wird als geeigneter Ort zur Sprengung ausgewählt, als Zeitpunkt die Nacht vom 25. und 26. Mai 1962 festgelegt. Hans-Joachim Lazai und seine Kollegen sollen die Aktion durchführen.

Um die Grenzposten abzulenken, zünden sie zuerst einige hundert Meter von der Bernauer Straße entfernt im Gleimtunnel einen kleinen Sprengsatz. Ihre Planungen gehen auf, die Aufmerksamkeit der Grenzposten richtet sich sofort auf diesen Bereich.                                                                                                   

Dann explodiert die Ladung in der Bernauer Straße auf Höhe der Schwedter Straße. Die ursprüngliche Überlegung, Menschen durch das Sprengloch flüchten zu lassen, ist aus Sicherheitsgründen aufgegeben worden. Den Fluchthelfern geht es einzig um das politische Signal. Willy Brandt, der von Egon Bahr auf einem SPD-Parteitag über die gelungene Aktion informiert wird, nimmt am folgenden Tag vor den Delegierten des Parteitages indirekt auf den symbolischen Akt des Protestes Bezug: »An der Mauer hat es geknallt […]. Die Mauer ist so unnatürlich und so unmenschlich, dass wir uns niemals damit abfinden können«. (Quelle: Nooke, Maria | Dollmann, Lydia: Fluchtziel Freiheit, Berlin 2011)

© Dr. Maria Nooke – Stiftung Berliner Mauer