Invalidenstraße / Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal

Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290-533-0078732, Johann Willa
Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290-533-0078732, Johann Willa
Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290-462-0307985, Ludwig Ehlers
Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290-462-0307985, Ludwig Ehlers
Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290-29332
Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290-29332
Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290-77486
Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290-77486

Die Charité als Grenzobjekt zwischen Ost und West (Invalidenstraße/Alexanderufer)

Der Bau der Mauer hatte für die Charité eine doppelte Bedeutung: Zum einen sollte der Flucht von MitarbeiterInnen Einhalt geboten werden, zum anderen wurden aber auch in West-Berlin lebende KollegInnen nicht länger beschäftigt. Obgleich der Exodus von Charité-MitarbeiterInnen und -Studentinnen in den Westen zwischen 1945 und 1989 nie abriss, gab es während der DDR-Zeit bis zu deren Ende drei größere Fluchtwellen. Die erste begann unmittelbar nach Gründung der DDR und umfasst die gesamten 1950er Jahre bis 1961, das Jahr, in dem sie sich langsam zu einer Massenflucht ausweitete. Fast 10.300 ÄrztInnen der Bundesrepublik kamen 1961 aus der DDR beziehungsweise der sowjetischen Besatzungszone, darunter viele auch renommierte Charité Mitarbeiter. Eine weitere Besonderheit ergab sich aus der geografischen Lage der Charité an der Ost-West-Grenze: Mit der Abriegelung der Verkehrswege nach West-Berlin und dem Mauerbau wurden um den nordwestlichen Teil des Charité- Geländes, zwischen

Invalidenstraße, Humboldthafen und S-Bahntrasse, Grenzanlagen errichtet und die Charité am 11. August 1961 zum Grenzobjekt zwischen Ost und West erklärt. Bereits unmittelbar nach dem Mauerbau hatten potentielle Flüchtlinge bis 1989 neben drohenden Haftstrafen außerdem den Einsatz von Schusswaffen zu befürchten. Entsprechende Anweisungen in unterschiedlicher Form wurden 1982 durch das Grenzgesetz formal legalisiert. Die sogenannten Schießbefehle verstießen dennoch gegen damals geltendes DDR-Recht.

Am 24. August 1961 gegen 16 Uhr wurde Günther Litfin während seines Fluchtversuches über das Charité-Gelände am Humboldthafen von Angehörigen der Transportpolizei beschossen. Ein Kopfschuss verletzte ihn tödlich. Er war der erste DDR-Flüchtling, der an der Mauer ums Leben kam.

Weitere Informationen rund um die Charité finden Besucher im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité. (Öffnungszeiten: Di–So 10–17 Uhr, Mi 10 –19 Uhr, Sa 10–19 Uhr). Quelle: Herrn, Rainer, 2010, Die Charité als Grenzobjekt in Die Charité zwischen Ost und West (1945–1992): Zeitzeugen erinnern sich | Rainer Herrn; Laura Hottenrott (Hrsg.)

© Dr. Rainer Herrn – Institut für Geschichte der Medizin/Charité