Kochstr. / Oranienstr. / Axel-Springer-Str. / Rudi-Dutscke-Str.

Axel Springer AG, Unternehmensarchiv

Verlagshaus an der Mauer (Rudi-Dutschke-Straße/Springer Verlagsgebäude)

Es war ein »überheißer« Frühlingstag, wie Axel Springer später betonte, als er am 25. Mai 1959 den Grundstein für seinen Berliner Verlagskomplex gelegt hat. »Einigkeit und Recht und Freiheit«, mit diesen Worten zitierte er nicht nur die deutsche Hymne, er formulierte sein politisches Programm. Der Verleger aus Hamburg war hierhergekommen mit dem Wissen um die einstige Bedeutung der Pressestadt Berlin. Der »Platzhirsch« in jenem historischen Zeitungsviertel der Weimarer Jahre war Ullstein in der Kochstraße, damals einer der größten Verlage der Welt. Hier erschienen u. a. die BZ am Mittag, die Berliner Morgenpost und die Berliner Illustrirte Zeitung. Die Hauptkonkurrenten waren Mosse in der Schützenstraße mit dem Berliner Tageblatt und Scherl in der Jerusalemer Straße mit dem Berliner Lokal-Anzeiger. Daneben gab es hier viele kleinere Verlage, die – wie die drei großen – ab 1933 von den Nationalsozialisten gewaltsam »gleichgeschaltet« wurden. Am 3. Februar 1945 schließlich wurde das Berliner Zeitungsviertel durch den Bombenkrieg in Schutt und Asche gelegt.

1959, als Axel Springer sich hier anzusiedeln begann, war diese Gegend noch immer eine Ruinenlandschaft. Zwar war die Berliner Mauer damals noch unvorstellbar, doch die Stadt war bereits seit Jahren politisch in Sektoren geteilt. Axel Springer aber war überzeugt, dass diese Teilung zu unnatürlich war, um dauerhaft Bestand zu haben. Er verlor seine Zuversicht selbst 1961 nicht, als unmittelbar neben seiner Baustelle die Mauer hochgezogen wurde, um dann für 28 Jahre die nördliche Grundstücksgrenze zu markieren. 1967 definierte er als Richtschnur für sein Handeln »das unbedingte Eintreten für die friedliche Wiederherstellung der deutschen Einheit in Freiheit«. Doch während ihm damals noch viele beipflichteten, wurde der Verleger später immer mehr zu einem einsamen Rufer in der Wüste. Axel Springer starb 1985, vier Jahre zu früh, um noch miterleben zu dürfen, wie seine Vision am 9. November 1989 Realität wurde.

© Rainer Laabs – Axel Springer AG