Königsstraße / Glienicker Brücke

Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290-85857
Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290-85857
Die "Weiße Villa" an der Königsstraße, um 1951, Foto: Inge Krüger
Die "Weiße Villa" an der Königsstraße, um 1951, Foto: Inge Krüger

Die „Weiße Villa“ (Glienicker Brücke)

Es gab viele Namen für das letzte große Gebäude der Hohenzollern in Glienicke. Die »Restauration« hieß es offiziell, im Dorf sagte man die »Weiße Villa«, am Hof schlicht »Haus Glienicke«. 1873 /74 ließ Prinz Carl von Preußen (1801–83) das Haus im spätklassizistischen Stil bauen. Carl, der im Schloss gegenüber mit seiner Familie lebte, hatte sicher einen kommerziellen Beweggrund. Das Haus wurde anfangs weitgehend im Hotelbetrieb mit Gastronomie und der Vermietung von Zimmern genutzt. Später diente es Mitgliedern der Hohenzollern-Familie auch als Wohnhaus. Prinzessin Louise Sophie von Schleswig-Holstein- Sonderburg-Augustenburg (1866–1952) war die Frau von Prinz Friedrich Leopold (1865–1931), dem Enkel von Prinz Carl. Als der letzte Herr von Glienicke 1931 starb, zog die Prinzessin in die »Restauration«. Sie überstand – alleine mit ihrer Zofe – am Ende des zweiten Weltkrieges die Besetzung des Hauses durch sowjetische Soldaten. Im Gegensatz zu sämtlichen Mitgliedern der Familie, die alle in den Westen flohen, lebte sie – fast mittellos – in ärmlichen Verhältnissen im Osten. 1949 war die preußische Prinzessin automatisch DDR-Bürgerin geworden. Sie lebte direkt am Stacheldraht, denn die »Restauration« stand nun genau auf der Grenze zu Westberlin. 1951 ging Louise Sophie schließlich doch in den Westen, wo sie ein Jahr später starb. Nach 1961 wurde die Fassade der Villa zu einem Teil der Berliner Mauer. Schon 1962 plädierten Grenztruppenkommandeure für den Abriss von Häusern »zur Erhöhung der Sicherheit an der Staatsgrenze«. Die »Restauration« wurde sofort auf die Liste gesetzt. Zudem sorgte man sich um das negative Bild, das die immer mehr verfallende historische Villa zum Westen hin abgeben könnte. Am 21.3.1975 wurde das »Haus Glienicke«, fast genau zu seinem hundertsten Geburtstag, im Auftrag der Grenztruppen der DDR abgerissen.

Mehr über die Zeit der deutschen Teilung in Glienicke können sie 50 Meter entfernt, auf der anderen Seite der Straße in der Orangerie des Schlosses Glienicke erfahren. Die Ausstellung »Hinter der Mauer« zeigt anlässlich des fünfzigsten Jahrestages des Mauerbaus die Absurdität von Grenze und Stacheldraht an diesem besonderen Ort.

© Jens Arndt – Kurator zur Ausstellung „Hinter der Mauer“