Luisenstädtischer Kanal / Engelbecken

Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290-81561
Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290-81561
Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290-259859, Wolfgang Albrechtt
Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290-259859, Wolfgang Albrechtt

Mauerstücke im Vatikan (Engelbecken/Leuschnerdamm)

Mit dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 wurden auch vor der Sankt-Michaels-Kirche am ehemaligen Luisenstädtischen Kanal, der die Spree mit dem Landwehrkanal verband und am Engelbecken in einem Bogen vor dem Michaelkirchplatz abbog, Grenzsperranlagen errichtet. Von der Kirche, die im Ostteil der Stadt lag, war von West- Berlin aus nur noch die obere Hälfte mit dem Turm zu sehen. Auf Initiative des Architekten Bernhard Strecker wurde der aus dem Iran stammende Künstler Yadegar Asisi beauftragt, die Mauer künstlerisch zu gestalten, so dass die Illusion entstand, man könne von West-Berlin geradewegs auf die Kirche zugehen. Asisi projizierte auf die nach Westen gerichtete Mauerseite den durch die Mauer versperrten Blick und rekonstruierte den Zustand des vor dem Mauerbau belebten Engelbeckens. Später kamen die Akteure des »Weißen Strichs«, junge aus der DDR ausgereiste Künstler, die mit einer weiteren Kunstaktion gegen die Gewöhnung an die Mauer in West-Berlin protestierten, Sie zogen entlang der Grenzmauer einen weißen Strich und machten auch bei diesem Illusionsbild keine Ausnahme, sondern setzten ihre Aktion der Re-Visualisierung unbeeinflusst fort. Als die Mauer im November 1989 fiel und wenig später abgebaut wurde, konnte eines der beiden Segmente, auf denen Asisi sein Kunstwerk gemalt hatte, gerettet werden. Es kam in Monacco zur Auktion und so in den Besitz des italienischen Geschäftsmannes Marco Piccininni. Dieser hatte das 2,6 Tonnen schwere Betonsegment, das im Auktionskatalog unter Position 75 geführt wurde und Reste der geschichtsträchtigen Bemalung aufwies, als besonderes Geschenk für Papst Johannes Paul II. erstanden. Zeitgenössischen Berichten zufolge soll das Mauerteil bereits im Herbst 1990 im Vatikan eingetroffen sein. Dort war es für kurze Zeit am Rande der Vatikanischen Gärten zu sehen. Die offizielle Einweihung erfolgte jedoch erst im August 1994. (Gründer, Ralf, 2007, Verboten: Berliner Mauerkunst. Eine Dokumentation von Ralf Gründer.)

© Stiftung Berliner Mauer