Niederkirchner Str. / Abgeordnetenhaus

"Der Preußische Landtag — in Bau und Geschichte" (Bundesarchiv)
"Der Preußische Landtag — in Bau und Geschichte" (Bundesarchiv)
Agentur "Der Gallier", IV/13 PH, Hendrik G. Pastor
Agentur "Der Gallier", IV/13 PH, Hendrik G. Pastor

Mit der „Drahtseilbahn“ in den Westen… (Niederkirchnerstraße/Abgeordnetenhaus)

»Für die Bewachung der Grenze am Landtag – des Abschnitts »Ministergarten« – war das Grenzregiment Nr. 35 der 1. Grenzbrigade der Nationalen Volksarmee zuständig, das später zum Kommando Mitte der Grenztruppen der DDR gehörte; die Bewachung des Postenturms im Landtag oblag sogenannten Kräften des Zusammenwirkens der Volkspolizeiinspektion Mitte, und im Obergeschoß des ehemaligen Reichsluftfahrtministeriums befand sich schließlich auch noch ein Beobachtungsposten der Sowjets. Obwohl der Grenzabschnitt vor dem Landtag aufgrund seiner Lage hinter dem sowieso als Sicherheitsbereich eingestuften Haus der Ministerien besonders ruhig war, sind doch eine Reihe von Grenzzwischenfällen zu verzeichnen. Während einige Ereignisse heute kurios erscheinen, offenbart sich in anderen Tragik und der Zynismus, mit dem ein menschenverachtender Staat seine Bürger behandelte. Der erste aktenkundige Vorfall stammt aus dem Jahre 1964: »Aufforderung zur Fahnenflucht, 1 männliche Person rief den Posten zu: >Hast Du schon einmal versucht, hier rüber zu kommen?; Angaben über Täter: männliche Person, ca. 25 Jahre.« Ein spektakulärer Vorfall ereignete sich im Juli 1965, als es einem Ehepaar gelang, vom Dach des Luftfahrtministeriums, vor den Augen des sowjetischen Beobachtungspostens, mit einer selbstgebauten Drahtseilbahn die Grenze zu überqueren. Dieser Vorfall hatte grundsätzliche Konsequenzen für das »Grenzsicherheitssystem« in der gesamten DDR, da »die angewandte Methode bisher in die Beurteilung möglicher Varianten von Handlungen des Gegners nicht einbezogen« worden war «

Seit 1993 beherbergt das denkmalgeschützte Gebäude das Berliner Landesparlament (Das Abgeordnetenhaus von Berlin) und steht interessierten Besuchern von Montag bis Freitag in der Zeit von 9:00 bis 17:00 Uhr offen. Lit.: »Der Preußische Landtag – Bau und Geschichte«, Berlin 1993, Argon Verlag, S. 265-266.

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