Sperrzone Spree

Kanuexkursionen entlang der ehemaligen Spreegrenze, Termine August bis Oktober 2011 auf Anfrage

Wie kann man eines Mauerbaus gedenken? Was ist davon in Berlin übrig geblieben und wie kann politische Geschichte im Stadtraum jenseits von Museen oder Denkmälern erfahrbar gemacht werden?
In einer auf den aktuellen Stadtraum bezogenen Recherche wird die ehemalige Grenze auf der Berliner Spree aus der Perspektive des Kanufahrers paddelnd und an Hand von unscheinbaren Details wie Kanalisationsöffnungen, Spuren an Uferwänden und unbeschilderten Grenzanlagen im Osthafen erforscht und rekonstruiert.

Diesen Fragen und Aufgaben widmen sich von April bis Oktober 2011 Birgit Binder und Caspar Pauli von der Künstlergruppe "Varsity of Maneuvers" mit dem Projekt "Sperrzone Spree", in Kooperation mit dem Kreuzbergmuseum und Circus Schatzinsel. Zum 50. Jahrestag des Mauerbaus werden ab August Kanuexkursionen von den Künstlern und seinem Team für Jugendliche angeboten.

Im Projekt bepaddelt und recherchiert "Varsity of Maneuvers" die Spree hinsichtlich ihrer politischen Dimensionen auf der ehemaligen Wassergrenze zwischen Friedrichshain und Kreuzberg. Hier ist vor allem die Perspektive der Kanufahrer wichtig, da sie durch ihre Langsamkeit und Wendigkeit sehr nah an Orte des "Geschehens" kommen, an Uferwände oder ehemalige Grenzanlagen und so eine andere Detaildichte wahrnehmen als Passagiere auf großen Fahrgastschiffen.

Eine Tuchfühlung mit der Geschichte der ehemaligen Grenze wird möglich, denn man paddelt an Ufern vorbei an denen einst Kreuzberger Kinder spielten und ins Grenzwasser fielen, fährt unter dem ehemaligen Grenzübergang auf der Oberbaumbrücke durch oder kann die Route einer Gruppe von Menschen nachvollziehen, denen die Flucht per Schiff in den Westen gelang. Alte rostende Zollanlagen in der Spree werden unter die Lupe genommen, Überwachungsanlagen mit Ferngläsern inspiziert und Hintergründiges der Kanalisationsrohre am Osthafen diskutiert.

Die Führungen werden nach dem Prinzip des forschenden Lernens durchgeführt: Recherchieren, Interpretieren und Diskutieren vorgefundener Spuren auf der Grundlage von fachlichen Erläuterungen. Die materielle Grundlage des Projektes bilden mobile “Forschungsstationen“ – vier kanadische 6er Kanus. Der Austausch über die Ergebnisse der Untersuchung, sowie die gemeinsame Einbettung in historische, aktuelle und persönliche Zusammenhänge spielt eine zentrale Rolle während der Recherchetouren.
In Zusammenarbeit mit Experten, Pädagogen, Kindern und Jugendlichen aus Kreuzberger und Friedrichshainer Schulen und Jugendeinrichtungen werden von Mai bis Juli 2011 Recherchetouren durchgeführt. Ab August 2011 starten die Exkursionen für interessierte Jugendgruppen oder Erwachsene als offenes Angebot.

Der Flyer zur Veranstaltung

Infos über Termine und Teilnahmegebühren für interessierte Jugendgruppen und Schulklassen unter Tel.: +49 (0)30 - 5058-5246, Herr Trent, Kreuzbergmuseum.

Weitere Informationen:

 

Kanuclub zur Erforschung der Stadt: www.kanuclub-zur-erforschung-der-stadt.org

Bezirksmuseum Friedrichshain Kreuzberg: www.kreuzbergmuseum.de

Oberbaumbrücke
Binder und Pauli auf Kreuzberger Spree vor Oberbaumbrücke Foto: Thomas Gieße
Osthafen
Rechercheaktivitäten von Binder und Pauli im Osthafen auf der Spree Foto: Thomas Gieße
Innenansicht der alten DDR Zollanlage
Innenansicht der alten DDR Zollanlage im Osthafen auf der Spree Foto: Thomas Gieße